Musste gestern auch mal sein:
Schloss Johannisberg: Riesling „Silberlack“ Erstes Gewächs 2007
In der Nase von schöner erster Reife, klar, nicht firn, mit feinen Kräutern, Quitte, reifem Apfel, Birne, vielleicht sogar ein Hauch Kokosnuss. So macht Riesling in seiner ersten Reife Spaß! Vielschichtig, elegant, von süßer Frucht ummantelt.
Auch am Gaumen zeigt sich der Silberlack von hervorragender Qualität. Sehr gehaltvoll, jedoch nicht aufdringlich, mit schöner Mineralität ausgestattet, harmonisch, rund. Die Frucht animiert, das feine, sehr gut eigebundene Säuregerüst unterstützt die Charakteristik des Weins ideal. Ein nicht zu opulenter Wein, nachhaltig, eindringlich. Sehr schöner, langer Abgang, der durch die Frucht und kühle Kräuteraromatik getragen wird. Sehr schön! 94 Ingo-Punkte.
CU
Wer italienische Weine liebt, wird geradezu auf diesen Namen gestoßen: Antinori. Das Haus Antinori produziert ca. 20.000.000 Flaschen pro Jahr, bei über 2.200 ha Rebfläche sicher ein recht hoher Aufwand. Mit Familienbetrieb nach traditionellen Maßstäben hat das sicher nicht mehr allzu viel zu tun. Und doch kommt auch aus dem Hause Antinori viel Gutes. Solaia oder Tignanello gehören sicher zu den bekanntesten Weinen der Toskana. Generell lässt sich durchaus festhalten, dass aus dem Hause Antinori viel Gutes ins Glas kommt. Der Gambero Rosso, Italiens sicher einflussreichster Weinführer, behauptet zumindest, dass die Kellerei als die bedeutendste ganz Italiens bezeichnet werden darf.
Und wie sieht es beim aktuellen Wein aus?
Antinori: Chianti Classico „Marchese Antinori“ DOCG 2004
Der Wein funkelt in einem kräftigen Rubinrot im Glas. Farblich dicht, im Zentrum fast ins Schwarze übergehend. In der Nase machen sich gleich komplexe Aromen dunkler Beeren breit, dazu Kräuter, dann wieder Pflaume, aber auch Mokka, dunkle Schokolade. Sehr wuchtig, kräftig. Vielleicht etwas viel von allem. Süße, feine Holznoten, Vanille, vielleicht ein Hauch Karamell.
Am Gaumen gibt sich der Wein als pures Kraftpaket. Dunkle Beeren, Schokolade, viel Schmelz – und leider etwas zu wenig Säurestruktur zum Ausgleich. Sind die 10% Zugabe Cabernet Sauvignon zur Sangiovese vielleicht doch nicht optimal gewählt? Teer, Toffee, süßes Holz, Kohle. Alles Aromen, die nach einem filigranen Ausgleich fordern. Doch der kommt leider nicht voll zur Geltung.
Der Wein hat sicher seine Fans. Durch seine offensichtlich zur Schau getragenen Wucht vermag er aber keinen rechten Trinkspaß zu vermitteln. Too much von allem einfach. Der Schmelz übertüncht vieles an Frucht und Struktur. Ein Winterwein, der dann mit seinem durchaus langen Abgang für die innere Wärme sorgen wird. 84 Ingo-Punkte.
CU
Dass der Jahrgang 2009 in Deutschland vinophil zu den besten seit Beginn der Weinaufzeichnungen gehört, dürfte mittlerweile keine wirkliche Neuheit mehr sein. Die Großen oder Ersten Gewächse sind noch nicht mal auf dem Markt, da überschlagen sich schon die Lobhudeleien um die Rieslinge aus der Hand deutscher Weinmacher.
Die Komplexität des Jahrgangs filigran und doch nachhaltig in die Flasche zu bringen, ist aber auch in solch dankbaren Jahrgängen der Grad, der die Spreu vom Weizen trennt. Ein Winzer, der diese Kunst hervorragend beherrscht, ist Werner Rosch vom Leiwener Weingut Josef Rosch.
Der Weinschreiber nutzte die Gelegenheit und besuchte das Weingut während eines Kurztrips nach Trier. Gott sei Dank konnte sich Werner Rosch trotz sehr kurzfristiger Anfrage etwas Zeit frei schaufeln und so stand einer Verkostung seiner Weine nichts mehr im Wege.
Genauere Aufzeichnungen fehlen dem Weinschreiber. Doch bei Roschs Rieslingen lässt sich eines quer durch die Bank festhalten: Sie sind schlichtweg genial! Angefangen beim einfachen Riesling trocken Leiwener Klostergarten bis hin zu Riesling Spätlese *** Trittenheimer Apotheke zeigten sämtliche Weine einen tollen Charakter, waren bei aller Komplexität in ihrer Art filigran, geradezu verspielt und animierten dazu, das Glas erneut zu füllen. Hier spielt eher die Violine als der Kontrabass. Erfreulich sind auch die niedrigen Alkoholgrade: Kaum ein Wein liegt über 12% vol., die Spätlese trocken *** Selection J.R. bei 12,8% vol.. Die 1. Lage Trittenheimer Apotheke „Laurentiusberg“ mit ihren 13,5% vol. bildet da fast schon eine extreme Ausnahme nach oben – und reiht sich doch in die Charakteristik der anderen Rieslinge ein.
Auch bei den fruchtigen Weinen kann Rosch voll überzeugen: Auch wenn nur der Kabinett sowie die Spätlesen verkostet werden konnten, zeigen sie doch, dass Werner Rosch es wunderbar versteht, Süße, Frucht und Säurespiel zu einem großartigen Ganzen zu vereinen. Dem Kabinett nimmt man seine 50,3 g Restsüße kaum ab. Auch die Spätlese Trittenheimer Apotheke mit ihren 87,0 g und die Spätlese Trittenheimer Apotheke *** mit 108,0 g Restzucker wirken überhaupt nicht fett, plump süß oder aufgesetzt – im Gegenteil! Hier greift die Säurestruktur wunderbar ausbalancierend ein und verleiht den Weinen ihren unverwechselbaren Stil.
Alles in allem gehören die Weine von Werner Rosch sicher zu den Gewinnern des Jahrgangs 2009! Sie bieten Trinkspaß auf höchstem Niveau und animieren trotzdem zum zweiten Glas oder – mit Freunden gemeinsam genossen noch viel schöner – vielleicht auch zur zweiten Flasche.
Chapeau!
CU
Der Weinschreiber hat heute mal einen sehr interessanten Wein im Glas – und das schon am zweiten Tag in der geöffneten Flasche. Diese ist gerade einmal 0,5 l groß, sorgt mit ihrem Inhalt jedoch für ein schönes Weinerlebnis. Doch um welchen Wein handelt es sich denn überhaupt?
Gemeint ist das Château d’Arlus, ein von Lucien Schmitt im Südwesten Frankreichs geführtes Weingut, welches vor allem für seine aus autochtonen oder fast ganz vergessenen Rebsorten gewonnenen Weine zu Recht Bekanntheit erlangt hat. 32 ha werden hier in „naturnahem Anbau“ bewirtschaftet.
Neben vielen anderen interessanten Weinen hat es heute mal der „Vin doux naturel“ 2004 ins Glas des Weinschreibers geschafft. Hierbei handelt es sich um eine Beerenauslese, die reinsortig aus Mauzac gekeltert wird.
Der Wein schimmert in einem schön goldenen Ton im Glas. In der Nase machen sich gleich Aromen von Brotkruste, kräftigen Gewürzen, floralen Noten breit. Bei seiner unweigerlich deutlich vorhandenen Süße zeigt sich der Wein trotzdem von einer fast animierenden Frische, fast filigran und doch zupackend. Orangenschale, getrocknete Aprikose, ein Hauch Süßholz sind mit im Spiel.
Am Gaumen zeigt sich der Vin doux naturel sehr extraktreich, mit einer wunderbar die Süße ausbalancierenden Säure und einer schönen Konzentration. Die Fruchtnuancen paaren sich sehr schön mit der würzigen Komponente des Weins.
Der Abgang zeigt sich eher filigran, nicht kurz, mit einem gelungenen Zusammenspiel von Frucht und Säure. Er animiert auf jeden Fall zum nächsten Schluck – was man wahrlich nicht von jedem Süßwein behaupten kann. 85 Ingo-Punkte.
CU
Der Moselwinzer Ulrich Franzen, gemeinsam mit seiner Frau Iris Inhaber des Weinguts Reinhold Franzen ist bei einem Unglück im Weinberg ums Leben gekommen. Wie die Rheinzeitung berichtet, erlitt der Winzer aus Bremm bei einem Unfall mit dem Schmalspurschlepper tödliche Verletzungen.
Der Weinschreiber meint: Neben der persönlichen Tragik ist Franzen’s Tod ein Verlust für die Weinwelt.
Mein Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden des Winzers.
CU
Darf man von einem günstigen Wein erwarten, dass er zumindest die wesentlichen Anforderungen eines Weinliebhabers erfüllt? Ist es unrealistisch, von einem Wein saubere Stilistik zu erwarten? Können in schwierigen Jahrgängen wirklich keine vernünftigen Tropfen in die Flasche gebracht werden?
Diese und ähnliche Fragen kamen dem Weinschreiber in den Sinn, als er sich durch die Chianti Classico des Jahrgangs 2008 probierte. Das Consorzio Vino Chianti Classico hatte zur German Tour 2010 eingeladen. Die Verkostung umfasste Chianti Classico der Jahrgänge 2007 und 2008 sowie Chianti Classico Riserva der Jahrgänge 2006 und 2007.
Carpineto: Chianti Classico DOCG Carpineto 2008
80% Sangiovese, 20% Canaiolo und weitere rote Sorten
Würzige Nase, am Gaumen mit satter, knackiger Kirschfrucht, kräftiger Säurestruktur. Die Tannine wirken irgendwie grün. 81 Ingo-Punkte
Castelli del Grevepesa: Chianti Classico DOCG Castelgreve 2008
95% Sangiovese, 5% weitere rote Sorten
Aromen von Teer, dunklen Beeren, wirkt erdig, hat Biss, mittlere Länge. 80 Ingo-Punkte
Castello di Selvole: Chianti Classico DOCG Castello di Selvole 2008
100% Sangiovese
Wirkt grün, unausgewogen, ruppig. Dann dunkelbeerig, holzig. Dem Wein fehlt Schliff. 79 Ingo-Punkte
Castello di Selvole: Chianti Classico DOCG San Martino a Selvole 2008
80% Sangiovese, 20% Merlot
Viel Säure, viel biss. Ein ruppiger, unausgewogener Wein. 77 Ingo-Punkte.
Castello Vicchiomaggio: Chianti Classico DOCG San Jacopo da Vicchiomaggio 2008
90% Sangiovese, 5% Canaiolo, 5% Colorino
Süßholz pur, überlagert die Frucht komplett. 76 Ingo-Punkte.
La Casaccia: Chianti Classico DOCG La Casaccia 2008
100% Sangiovese
Schon eher eine typische Sangiovese Nase, dann aber auch viel Biss, ruppige, unausgewogene Struktur, grün. 78 Ingo-Punkte.
La Madonnina: Chianti Classico DOCG Bello Stento 2008
90% Sangiovese, 5% Canaiolo, 5% Colorino
Würzige, farblose Nase, grün. Am Gaumen ein Säuremonster. 72 Ingo-Punkte.
Piccini / Valiano: Chianti Classico DOCG Solco 2008
85% Sangiovese, 15% Merlot
Ausgewogener, von satter Kirschfrucht getragener Wein, der zwar über ordentlich Biss, jedoch auch Potential verfügt. 80 Ingo-Punkte.
Querciabella: Chianti Classico DOCG Querciabella 2008
95% Sangiovese, 5% Cabernet Sauvignon
Satte Kirschfrucht, ein schöner Körper, auch am Gaumen mit gutem Schmelz und gut eingebundener Säurestruktur. In dieser Runde ein echtes Highlight. 85 Ingo-Punkte.
Die Chianti Classico aus 2008 können sich wohl nicht gegen ihre Vorgänger aus den Jahren 2007 und 2006 behaupten. Dies zumindest ist der Eindruck, den der Weinschreiber nach der Verkostung oben aufgeführter Auswahl erlangte. Hoffentlich liegt er falsch. Aber insgesamt präsentierten sich die Weine – von wenigen Ausnahmen abgesehen – ruppig und grün. Ob sich die Befürchtung des Weinschreibers bestätigt oder nicht, werden die nächsten Monate zeigen. Der Weinschreiber bleibt am Ball.
Und wie sah es bei den Chianti Classico des Jahrgangs 2007 aus? Die Antwort lesen Sie im nächsten Beitrag.
CU
Urlaub muss auch mal sein. Auch für den Weinschreiber. Und gerne geht eine Reise auch mal dahin, wo der Wein herkommt. Dass dies aber nicht die einzige Möglichkeit ist, um einen guten Tropfen genießen zu können, konnte der Weinschreiber unlängst auf der schönen Nordseeinsel Föhr erfahren. Denn auch auf der vielleicht etwas im Schatten der Insel Sylt liegenden Urlaubsregion ist kulinarisch einiges in Bewegung. Und auch eine Lokalität für das Glas Wein für zwischendurch zu finden, ist mittlerweile kein Projekt mehr.
Eine Woche an der Nordsee verschafft dem Weinschreiber ungefähr genauso viel Erholung, wie eine doppelt so lange Auszeit an einer südeuropäischen Küstenregion. Die Nordsee ist einfach geil!
Und Föhr hatte auch kulinarisch viel mehr zu bieten, als der Weinschreiber vorab vermutete. Allen voran eine etwas versteckt liegende, jedoch sehr schön eingerichtete Weinhandlung mit angebundener Weinstube. 50(!) offene Weine werden hier offeriert, kulinarische Kleinigkeiten runden das Angebot ab. Darüber hinaus ist die „Alte Druckerei – die Weinstube“ auch die Heimat der Portweine von J.H. Andresen.
Doch nicht nur das Weinangebot ist einen Besuch der Weinstube wert. Neben der sehr schönen Atmosphäre der Weinstube ist auch das Team alles andere als „nordisch unterkühlt“. Silvia, die freundliche Servicekraft, war, wenn möglich, immer für ein kleines „Schwätzchen“ zu haben.
Da aber nicht nur Weine vor Ort getrunken werden sondern darüber hinaus auch noch gekauft werden können, gehört die Adresse für Weinliebhaber schon fast zwingend zu den ersten Anlaufadressen nach der Ankunft auf Föhr.
Die Adresse lautet
Das Weinkontor auf Föhr
Alte Druckerei - die weinstube
Torsten Tews
Mittelstrasse 17 Hinrichsengang
25938 Wyk auf Föhr
Telefon: 04681 - 74.81.81
Telefax: 04681 - 74.81.82
Seit Herbst 2007 erhebt sich auf der Halde Rheinpreussen in Moers-Meerbeck ein weithin sichtbarer ca. 30 m hoher Lichtturm, welcher in seiner Form an die Grubenlampe erinnert, welche die Bergleute früher für Arbeiten unter Tage benötigten.
Dieses Kunstwerk symbolisiert die Industrien, die die das Land an Rhein und Ruhr geprägt haben: die Steinkohlenbergwerke, die Eisenhütten und Stahlwerke, mit einem Wort: die Montanindustrie.
Und heute fand im Rahmen der Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt Europas das Bergfest auf der Halde statt. Bei perfektem Wetter, stimmungsvoll – einfach schön.

Der Weinschreiber muss doch mal eine Lanze für Bordeaux 1997 brechen. Was wurde nicht alles über diesen Jahrgang geschrieben! Die Weine seien schon über den Zenit, es sei ein wirklich schlechter Jahrgang, die Weine seien völlig überteuert, es gib so viel Besseres auf dieser Welt und, und, und.
Stimmt nicht. Zumindest nicht im Jahr 2010. Denn dank solcher Aussagen gehören die 97er heute zu den Weinen, die der geneigte Weinliebhaber kaufen kann, ohne beim Bezahlen einen Trauerflor anlegen zu müssen.
Der Weinschreiber hatte gestern die Möglichkeit, 17 Weine der Region aus besagtem Jahrgang verkosten zu können. Vom zweiten Cru bis hin zu nicht klassifizierten Weinen. Natürlich gab es bei dieser Probe auch Weine, die getrost in die Kategorie Na Ja einzuordnen sind. Aber bei der großen Mehrheit der Weine waren alle Probenteilnehmer von der hohen dargebotenen Qualität der Tropfen überrascht. Dem Weinschreiber eingeschlossen.
Die Location war hervorragend: Ein schöner Gewölbekeller, gerade groß genug, um mit 10 Personen einen entspannten Abend zu verleben. Die Stimmung war toll, so dass auch die ersten beiden Weine dem Weinschreiber nicht zum Verhängnis wurden.
Château Pedesclaux 5ème Grand Cru Classé – Pauillac
„Das Leben ist zu kurz, um Pedesclaux zu trinken“. Dieser Spruch stammt von Rene Gabriel, einem der international einflussreichsten Weinkritiker. Man darf ihm getrost vertrauen. Was da ins Glas kam, war muffiger Mist. Aber es handelte sich um Wein. Immerhin. 70 Ingo-Punkte.
Château Paradis Casseuil - Entre-Deux-Mers
Moment mal! Das sollte ein Bordeaux sein? Blind hätte ihn jeder in der Runde sofort als Pinot Noir eingestuft und ins französische Burgund geschoben. Selbst die doch sehr helle Farbe deutete auf einen Burgunder hin. Doch ohne Zweifel handelte es sich hierbei um einen Wein aus der bordelaiser Region zwischen zwei Meeren. Im Aroma rotbeerig, Johannisbeere, mit feinen, bereits gut eingebundenen Tanninen und einer animierenden Säurestruktur. Leicht erdig, guter Saft – burgundisch eben. Macht aber auch in einer Bordeauxprobe Spaß. 84 Ingo-Punkte.
Château Beaumont Cru Bourgeois - Haut-Médoc
So konnte man Bordeaux 1997 erwarten. Klassisch, erdig anmutend, Aromen roter und dunkler Beeren. Nett, aber nichts von nachhaltiger Bedeutung. Kann man trinken, muss man aber nicht. Aber schön, dass die Erwartungen schon beim Beaumont erfüllt waren. Denn da kam noch Besseres ins Glas. Beispielsweise der nächste Wein. 86 Ingo-Punkte.
Château Camensac 5ème Grand Cru Classé - Haut-Médoc
Wunderbar ausgereifter Wein, rotbeerige Nase, süße Kirsche. Am Gaumen komplex, mit schönem Druck und fast seidigen Gerbstoffen. Hier fing der Abend an, auch im Glas schön zu werden. 89 Ingo-Punkte.
Château Léoville-Barton 2ème Grand Cru Classé - Saint-Julien
Wer den Weinschreiber kennt, kennt auch diesen Wein. Der gehört nämlich zu den absoluten Lieblingen des Autors. Denn hier passen Preis und Leistung noch überein! Jahr für Jahr produziert Léoville Barton Weine der Extraklasse – auch in schwierigen Jahren. Und auch der 97er hielt, was das Etikett versprach: Tolle komplexe Nase, Cassisnoten dominieren schöne intensive Aromen, süße volle Beerenfrucht. Am Gaumen mit sehr schönem Schmelz, wieder viel Beerenaromen, mit wunderbarem Schmelz und langem Abgang. Jetzt und die nächsten drei bis fünf Jahren wunderbar zu trinken. 91 Ingo-Punkte.

Château Angelus 1er Grand Cru Classé B - Saint-Emilion
Der erste Wein vom rechten Ufer, also dort, wo es mit der Klassifizierung von 1855 nicht weit her ist. Daher ist Angelus zwar eine richtige Granate im Glas – nur 1855 leider nicht auf dem berühmten Stück Papier mit der Grand Cru Classé Klassifizierung erwähnt. Macht nichts, denn guter Wein geht auch ohne Napoleonisches Zertifikat.
In der Nase zeigt sich der Angelus sehr erdig, ätherisch, mit deutlichen Nuancen von Menthol, dann aber auch Trüffel, Olive wurde auch erwähnt, Pflaume, Toffee. Ein fleischiger Wein, erdig wirkend, mit Resten körniger Tannine versehen, tendenziell rustikal und wunderbarer Länge. 93 Ingo-Punkte.
Château Figeac 1er Grand Cru Classé B - Saint-Emilion
Figeac in der Jugend kann schon mal eine kleine Stinkbombe im Glas sein. Der Wein ist irgendwie schon eine kleine Diva, die sich aber an der Luft zu einem hervorragenden Tropfen entwickeln kann. So auch hier. Zwar ist ein 13jähriger Wein nicht mehr wirklich jugendlich, im Bordeaux aber auch noch nicht wirklich alt. Also Zapfen raus aus der Flasche, schnuppern und – logisch – Stinker finden. Standard. Aber mit der Zeit entwickelte sich ein Wein, der zunehmend die zunächst sehr verhaltene Frucht frei gab, sich dann rotbeerig, erdig präsentierte. Auch am Gaumen mit sehr schöner, animierender Säurestruktur, viel Schmelz und sehr schöner Länge. Lecker! 92 Ingo Punkte.
Château Pavie 1er Grand Cru Classé B - Saint-Emilion
Pavie zählt – wie auch Angelus und Figeac – zu den großen Weinen aus dem Saint-Emilion. Daher war es auch sehr schön, die drei in einer Reihe hintereinander zu verkosten. Und auch der Pavie machte keine Zicken, sondern zeigte sich von seiner Sonnenseite. Sehr konzentrierte Nase, schokoladig, süßes Beerenkonfit, üppig. Auch am Gaumen konzentriert, komplex, mit mürben Tanninen ausgestattet. Schöner Schmelz und ein elegantes, feines Finale. Der Pavie spielte sein großes Potential nicht voll aus, konnte aber auch schon so voll überzeugen. 92+ Ingo-Punkte.
Château l’Evangile - Pomerol
Nun also pomerolsches Evangelium im Glas. Und der Wein hat offensichtlich eine gute Portion besten Segens von Oben mitbekommen. Denn hier zeigte sich eindeutig die Nase des Abends! Fast verschwenderische Frucht, dicht, konzentriert, dunkle Beeren vorne, dann aber auch feine erdige Noten, süße Kirsche, hyperelegant. Auch am Gaumen geradezu perfekt ausbalanciert wunderbare Säurestruktur und beeindruckende Opulenz. Ein enormer Wein, der komischerweise relativ schnell relativ leer war. Wer noch Flaschen von diesem Wein bekommen kann, sollte zugreifen! 95 Ingo-Punkte und breite Zustimmung am Tisch sprechen hier eine deutliche Sprache – oder?
Château Pape Clément - Pessac-Léognan
Tja, nach dem Evangelium hatte es Papst Clément nicht wirklich leicht. Aber auch er gab sich keine Blöße und verschaffte den Anwesenden erneut Trinkvergnügen im Glas. Göttliche Fügung übrigens auch, dass an diesem Abend kein (eindeutiger) Korkschmecker vorkam – auch wenn der Muffton des Pedesclaux und der burgundische Bordeaux zu kurzen Diskussionen führte.
Der Pape Clément präsentierte sich mit schönen Röstaromen, Noten von Holz, Tabak, Leder. Aber auch rote Frucht, Johannisbeere war mit dabei. Am Gaumen mit einer kräftigen, jedoch sehr guten Säurestruktur, feinen Tanninen, schönem Schmelz und gutem Druck. Sehr schöner Abgang! 91 Ingo-Punkte.
Château Phélan Ségur Cru Bourgeois Exceptionnel - Saint-Estèphe
Phélan Ségur ist eigentlich auch stets eine sichere Bank in Sachen Qualität. Zwar sucht man auch dieses Château in der 1855er Klassifikation vergebens. Doch sagt diese Klassifikation logischerweise schon länger nicht mehr viel über die Qualität der eingestuften Weine aus, ist sie doch mit einer Ausnahme über die letzten 155 Jahre unverändert geblieben. Besser war da die Cru Bourgeois Klassifikation – zumindest, so lange sie noch galt. Einige Châteaux, die sich in der Klassifizierung nicht ausreichend gewürdigt sahen, erreichten ein juristisch herbeigeführtes Zu Grabe Tragen der Klassifikation. Seitdem darf sich – mehr oder weniger – jede Weinlaube Cru Bourgeois nennen. Eine Aussage über die Qualität liefert die Bezeichnung heute allerdings nicht mehr wirklich. Doch bei Phélan Ségur darf man getrost Vertrauen in den Flascheninhalt legen. So auch beim 97er.
In der Nase zeigte sich Rauch, toastige Noten, dann auch rote Beeren. Fleischiger Saft, sehr druckvoll, feinwürzig, torfig. Aber auch wieder rotbeerige Fruchtkomponente. Ein schöner Wein mit sehr gutem Abgang. 91 Ingo-Punkte.
Château Cos d’Estournel 2ème Grand Cru Classé - Saint-Estèphe
Wenn sich die Diskussion um die erste Liga der Grand Crus dreht, ist ein Name so gut wie immer dabei: Cos d’Estournel. Der Wein überzeugt Jahr für Jahr seine Fangemeinde. Diese wird allerdings auch Jahr für Jahr kleiner. Nicht weil die Qualität des Weins nachlässt, sondern weil die Quantität der Krötenwanderung exorbitant zunimmt. Die Besitzer von Cos wissen um die Qualität des Weins und teilen dies ihren Kunden über die Gestaltung des Preisetiketts deutlich mit. Grund genug für einige, sich nach günstigeren Alternativen umzuschauen. Aber der 97er war noch bezahlbar. Und gut, dass er bei der Probe dabei war.
Der Cos präsentiert sich rustikal, erdig, torfig, mit Aromen dunkler Beeren. Würzige Noten gesellen sich hinzu. Am Gaumen rein, reif, mit schönem Schmelz ausgestattet. Auch der Abgang zeichnet sich durch sehr gute Länge aus. 91 Ingo-Punkte.
Château Rauzan-Gassies 2ème Grand Cru Classé – Margaux
Ein zweites Cru, auch noch aus der Appellation Margaux – und in Proben kaum anzutreffen. Zu schlecht ist sein Ruf. Und entsprechend verhalten war die Erwartung an diesen Wein. Aber auch hier wurden die Erwartungen mehr als erfüllt!
In der Nase zeigte sich der Rauzan-Gassies zunächst vegetabil, mit Noten von Menthol, dann aber auch dunkelbeerig und durchaus auch mit einer schönen Opulenz ausgestattet. Am Gaumen beerig, feinwürzig, etwas Johannisbeere, mit einem charmanten, eleganten Finale. 90 Ingo-Punkte verbunden mit der Gewissheit, dass am Ende des Tages nur eines zählt: Der Selbstversuch.
Château Pouget 4ème Cru Classé – Margaux
Das Château Pouget gehört zu den unbekannteren Weingütern der Appellation Margaux. Dies dürfte unter anderem auch daran liegen, dass Pouget jährlich ca. 60.000 Flaschen auf den Markt wirft. Zum Vergleich: Mouton Rothschild produziert alleine von seinem Erstwein bis zu 300.000 Flaschen pro Jahr. Doch zu verstecken braucht sich Pouget nicht. Der Wein machte Spaß, auch wenn er nicht ganz an die vorherigen Qualitäten anknüpfen konnte.
In der Nase machen sich Noten von Holz und Tabak bemerkbar. Dann aber auch süßes Beerenkonfit. Die leicht erdigen Noten waren auch hier zu vernehmen.
Am Gaumen zeigte sich der Wein sehr saftig, würzig, mit tollem Schmelz und guter Länge. 89 Ingo-Punkte.
Château Palmer 3ème Grand Cru Classé – Margaux
Das Château Palmer wäre heute sicher ein ganz enger Kandidat für die Vergabe der Klassifizierung 1er Grand Cru, wenn man sich von französischer Seite her endlich einmal dazu durchringen könnte, die verstaubte Klassifizierung von 1855 mal ordentlich zu überarbeiten. So lange dies nicht geschieht, kann man Palmer getrost als das beste dritte Cru bezeichnen. Ist ja auch schon mal was. Die Preisgestaltung indes liegt mittlerweile auf Augenhöhe mit den Premiers, was folglich bedeutet, dass Palmer nun auch zu den nahezu unerschwinglichen Weinen gehört. C’est la vie!
Palmer war schon großes Kino: Eine wunderbare, intensive und opulente Nase nach Tabak, Leder, feinem Holz und kräftiger Kirschfrucht wurde begleitet durch eine Nuance Tee. Am Gaumen wieder kirschige Frucht, Kraft und Finesse, toller Schmelz und ein rotbeeriges, sehr schönes Finale. 92 Ingo-Punkte.
Château Pichon Comtesse Lalande 2ème Grand Cru Classé – Pauillac
Zur Comtesse hat der Weinschreiber ein gespaltenes Verhältnis. Sie kann richtig gut sein. Oder einfach nur grottig, wie der Jahrgang 2005, den der Weinschreiber seinerzeit als die Enttäuschung der gesamten ProWein beschrieb. Doch auch bei diesem Wein hatte die Runde Glück. Denn der 97er machte richtig viel Spaß und gehörte zu den besten Weinen des Abends.
Aromen von Trüffel, Schokolade, eine erdige, dann auch florale Charakteristik, fein getoastete Noten. Auch am Gaumen kraftvoll, dabei finessenreich, ein Maul voll Wein, opulente Frucht. Die Tannine sind bereits perfekt eingebunden und verleihen dem Wein seine schöne Reife. 93 Ingo-Punkte.
Château Grand Puy Lacoste 5ème Grand Cru Classé – Pauillac
1855 als fünftes Cru klassifiziert, gehört auch Grand Puy Lacoste zu den besseren Werten des Bordeaux. Im Gegensatz zu vielen andern Châteaux ist Grand Puy Lacoste auch heute noch unter realistischen Einkaufsbedingungen bezahlbar. Der Bankraub ist hier nicht notwendige Voraussetzung, um in den Genuss einer oder mehrerer Flaschen dieses wirklich gelungenen Weins zu kommen.
Der Wein zeigte sich mit einer kräftig würzigen Komponente, feine Nuancen nach Holz, Johannisbeere, dunkle Beeren. Ein von der Frucht getragener Wein, schön ausbalanciert, saftig opulent – schlicht auf der Höhe seiner Zeit. Auch der Abgang kann überzeugen. 92 Ingo-Punkte.
Einer geht immer noch…
Da Weinliebhaber aber bekanntlich nach solchen Proben auch schon mal kein Ende finden, wurde sozusagen zum Digestif ein Château Tour de By 2000 aus der Magnum geöffnet. Der Weinschreiber trat nach Ende der offiziellen Probe in einen Streik, so dass aus dem Weinschreiber der Weingenießer wurde. Die 88 Ingo-Punkte für den Wein lassen sich durch die fehlenden Notizen in Verbindung mit der vorgerückten Stunde leider nicht mehr in entsprechende Prosa verpacken.
Fazit
Der Bordeaux Jahrgang 1997 präsentierte sich viel besser als erwartet. Natürlich gab es auch in dieser Probe den einen oder anderen Wein, der bemerkenswert war. Bemerkenswert durchschnittlich. Aber die Mehrzahl der Weine präsentierte sich mit hoher Qualität und wunderbarer Reife. Die 97er befinden sich derzeit sicher zum großen Teil auf ihrem Höhepunkt und werden nicht mehr besser.
Was man den Bordeaux der 90er Jahre aber sicher zugestehen kann, ist durch die Bank ein moderater Alkoholgehalt. Teilweise 12% vol. bis 12,5% vol. Alkohol ließen mehr Platz für Finesse und setzten nicht darauf, mit vordergründigen Primäraromen Wirkung zu erzielen.
1997 war sicher kein Spitzenjahrgang, so viel ist klar. Aber die Weine haben sich in einer sehr guten Form präsentiert, so dass man 1997 sicher zu den sehr guten Jahrgängen zählen darf.
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Bodegas Valdemar:
Die Bodegas Valdemar ist ein alt eingesessener Familienbetrieb. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1889. Der heutige Besitzer, Jesus Martinez Bujanda, leitet das Weingut gemeinsam mit seinen Kindern Ana und Carlos. Und dies auch sehr erfolgreich, wie der aktuelle Wein der Woche beweist.
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